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Archive for March, 2009

Mein erstes Trainingscamp mit dem TeamTBB

Monday, March 23rd, 2009

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Jetzt bin ich schon fast vier Wochen hier im Trainingslager auf den Philippinen und bin noch nicht dazu gekommen einen neunen Blog-Eintrag zu verfassen, so vielfältig waren die neuen Eindrücke, so anspruchsvoll das Training. Eines vorweg: Das waren die härtesten vier Wochen, die ich trainingsmäßig bisher mitgemacht habe. Aber es waren auch vier Wochen, in denen ich unglaublich viel gelernt habe. Und ich komme unglaublich dünn, fit und braun nach Deutschland zurück.

Die Erinnerung an den Winter daheim, ist vollkommen weggeschmolzen bei Temperaturen jenseits der 40°, kommt aber langsam wieder, wenn ich an den Heimflug denke und daran, dass es in Bayern noch immer schneit. Diese Temperaturumstellung wird sicher schwer, nachdem ich hier mittlerweile 30° schon als eher kühl empfinde.

Für uns – Christl und Nikolaus begleiten mich – war dieser Aufenthalt in Subic Bay auf den Philippinen der erste Besuch in Asien überhaupt und wir waren sehr gespannt, auf diese andere Kultur und Mentalität, konnten uns nicht wirklich vorstellen, was auf uns zukommen würde. Einerseits waren wir bei unserer Ankunft in Manila schon schockiert, so viele Hütten und Baracken zu sehen, am Straßenrand, ohne Boden, Fenster, in denen die Menschen unter ärmlichsten Verhältnissen leben. Wir waren auch nicht gefasst auf das unfassbare Chaos und Gedränge in Manilas Straßen. Andererseits wurden wir überall sehr freundlich und zuvorkommend empfangen. Von Nikolaus waren alle Philippiner sofort hingerissen – und es hat keine Woche gedauert, bis praktisch jeder in Subic Nikolaus’ Namen kannte und uns überall ein freudiges “Hey Nico, how are you?” entgegengerufen wurde, wenn wir durch die Straßen gingen. Was wir aus Deutschland auch nicht kannten: Dass so viele Menschen ständig um einen bemüht sind. Alles wird mit einem in Deutschland unvorstellbaren Personalaufwand bewältigt: Im Supermarkt gibt es jemanden (oder mehrere), der einem die Tür öffnet, jemanden der kassiert, jemanden der die Sachen einpackt und schließlich noch jemanden (oder mehrere), der wieder die Tür zur Straße öffnet. An jeder Kreuzung steht zusätzlich zur Ampel mindestens ein Polizist. Wozu eigentlich, ist mir bis jetzt nicht ganz klar geworden. Sehr sympathisch ist aber, dass man durchaus schon mal von diesem Polizisten dazu aufgefordert wird, auch bei Rot über die Ampel zu fahren.
Auch als wir uns das erste Mal nach Olongapo wagten, waren wir erschlagen: So laut, so schmutzig, so überfüllt, so chaotisch; wir fühlten uns orientierungslos und fremd. Inzwischen haben wir uns völlig daran gewöhnt und bewegen uns fast unbeschwert auch im dichtesten Gewusel.

Wir wohnen in einem Hotel in der sogenannten Subic Bay Freeport Zone – einer ehemaligen amerikanischen Militärzone, die auch jetzt noch besonders abgeschirmt und bewacht ist. Hier ist das Leben deutlich westlicher, deutlich amerikanischer als außerhalb dieser Zone, beispielsweise in Olongapo. In dieser relativ kleinen Zone absolvieren wir auch unser ganzes Training. Die Straßen außerhalb sind unglaublich überfüllt und man fürchtet, jederzeit von einem Lastwagen in den Graben geschickt zu werden. An ein Fahren in der Gruppe ist hier nicht zu denken. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir keine große Abwechslung im Training haben: Es gibt zwei Radstrecken: Knapp 4km am Flughafen entlang und die gleichen 4km wieder zurück. Hier machen wir unser Zeitfahrtraining. Und dann 20km zu Ocean Adventure und die gleichen 20km wieder zurück. Mehr braucht es nicht, auch für 6-Stunden Radtrainings nicht. Laufen entweder auf der Bahn, am Flughafen oder entlang des Golfplatzes. Um 3 Stunden zu laufen, muss man eben ein paar Runden drehen…

Was wir sehr genießen ist, dass hier die Preise deutlich günstiger sind. So können wir uns leisten, jeden Tag einmal Essen zu gehen. Sushi für die ganze Familie kostet umgerechnet etwa 7 Euro. Das Highlight des Tages nach dem harten Training! Darüber hinaus lieben wir die frischen exotischen Früchte (auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis wir den Markt gefunden haben): Mangos, frische, junge Kokosnüsse, Papayas, Durians, Ananas und vieles was ich gar nicht zu benennen weiß, was aber unglaublich lecker schneckt.

Für mich bedeutete der so ersehnte Trip ins Trainingslager eine Fülle von Umstellungen, mit denen ich in den ersten zwei Wochen ordentlich zu kämpfen hatte. Temperaturumstellung (von -20° auf +30° und mehr). Zeitumstellung (+7h). Trainingsumfang (von 15h auf 40h pro Woche). Trainingshäufigkeit (von 1 auf +3 Einheiten pro Tag). Sitzposition (von MTB auf Aeroposition). Ernährungsumstellung (ein Supermarkt hier schaut ganz anders aus, es gibt hier schlicht nicht zu kaufen, was man von zuhause gewöhnt ist). Neue Kultur. Neue Teammitglieder. Entsprechend wurde ich die ersten zwei Wochen ständig, selbstverständlich auch von den Girls, abgehängt und hab kaum einen Fuß auf den Boden gebracht. Nach drei Wochen hatte sich der Körper dann schon ganz gut angepasst. Und jetzt, nach fast vier Wochen, fühle ich mich bereit, richtig loszulegen. Der Lohn für die Arbeit: ich bin noch nie so schnell fit, dünn und braun geworden – und darf wohl den Titel “Mr. Fat-loss” für mich beanspruchen.

Gespannt war ich vor allem auf Brett, den ich hier zum ersten Mal persönlich getroffen habe. Für mich ist es unglaublich wie gut es ihm gelingt, ein Gruppe von 30 Individualisten zu EINEM Team zu machen und dabei doch gezielt auf die Schwächen/Stärken jedes einzelnen einzugehen. Ich genieße es auch sehr, Einheiten unter seiner Aufsicht zu machen – es ist eine andere Ernsthaftigkeit dabei und man holt noch mehr aus sich heraus. When the coach is not on deck, he is not coaching. Simply as that. Das Training in der Gruppe hat zusätzlich einen stimulierenden Effekt: Der Ehrgeiz ist da, man will sich nicht abhängen lassen, und man will durchaus mal selber jemanden abhängen. Der Druck ist größer und man trainiert härter. Am meisten gemerkt habe ich das beim Schwimmtraining: Ich bin noch nie so hart geschwommen. Welcome to the real world!

Was sein Training betrifft: Es ist hart, es ist viel, es ist nicht verhandelbar. Egal wie fertig man ist. If you can breath, you can train. If you can’t run, you can walk. Aber es gibt keine “magische” Einheit. We simply do the work. Entsprechend ist der Tagesablauf: Frühstück – Training – 2.Frühstück – Training – Mittagessen – Training – Abendessen – Schlafen. Ich bin meist um 6:00 Uhr aufgestanden, um 20:00 Uhr ins Bett gegangen. Wenn möglich tagsüber ein kurzer Mittagsschlaf. In den fast 30 Tagen, die ich hier war, gab es nur einen gänzlich freien Tag und nur 1 Tag mit nur 1 Einheit. Sightseeing oder irgendwelche Ausflüge dementsprechend wenig. Meistens war ich schon froh, den Weg zum Abendessen noch zu schaffen…

Insgesamt ein harter aber gelungener Einstieg in die neue Saison. Hoffentlich können wir ein bisschen von der Wärme und Sonne hier mit nach Hause nehmen!

Herzlichst,
Joseph